
15 Lea-Geschichten
von
Ramona Ambs Zurück |
Lea und das blöde Konzert
Wer wie Lea gerne Musik hört, müsste sich eigentlich freuen, wenn am Abend
ein Konzert ist. Lea aber freut sich ganz und gar nicht. Sie will nämlich an
diesem Abend viel lieber zu Anna gehen, weil dort Familienfest ist und es
jede Menge Kuchen gäbe und Annas Eltern sie auch eingeladen haben. Aber Leas
Eltern wollen unbedingt mit Lea auf dieses Konzert heute Abend in der
Synagoge. Papa kennt den einen Musiker aus seiner Studienzeit, sagt er, und
außerdem sei es auch an der Zeit, dass Lea sich einmal mit Klezmermusik
vertraut mache.
Lea hat überhaupt keine Lust. Doof, doof, doof, denkt
sie, alles ist doof. Sie sitzt auf dem Mäuerchen im Schulhof und wartet auf
Anna. Endlich kommt sie. Lea erzählt Anna, dass sie heute Abend nicht kommen
darf, weil sie mit ihren Eltern auf ein Konzert muss. Anna ist genauso
enttäuscht. Brummig schlendern sie über den Schulhof. Die Herbstsonne lässt
die Schatten der Bäume auf dem Hof tanzen, doch die beiden Mädchen starren
nur grimmig vor sich hin. Da hat Anna eine Idee: "Weißt Du was? Ich habs! Du
kannst doch zu uns kommen." Lea guckt verständnislos rüber: "Wie soll das
denn funktionieren?" Anna stellt sich wichtig vor sie hin: "Also, Du musst
einfach eine Zitrone mitnehmen!" Lea legt ihren Kopf schräg und denkt nach.
Sie versteht aber nicht, warum eine Zitrone die Lösung ihres Problems sein
soll. Anna erklärt: "Das ist so, wenn ein Musiker mit einer Trompete oder
einer Klarinette oder sonst so einem Gerät, in das man reinbläst, spielt und
jemand sieht, der in eine Zitrone beißt, dann kann er nicht mehr spielen.
Und wenn er nicht mehr spielen kann, dann wird das Konzert doch abgebrochen
und Du kannst dann vielleicht doch noch kommen!"
Anna strahlt. Lea ist noch nicht überzeugt: "Woher
weißt Du das?" fragt sie ungläubig. "Von meinem Bruder und der spielt
nämlich Trompete!" triumphiert Anna. Lea nickt: "O.K., ich probiers, wenn
ich mich trau..."
Als Lea am Abend mit ihren Eltern ins Konzert geht, hat
sie eine Zitrone in der Tasche. Sie hat sich fest vorgenommen, kaum dass die
Musik anfängt zu spielen, die Zitrone hervorzuholen und reinzubeißen. Lea
hat Glück, die Eltern setzen sich mit ihr in die erste Reihe, "dann sieht
mich der Klarinettenspieler besser!" denkt Lea. Endlich kommen die Musiker
auf die Bühne. Ein Mann mit einer Geige, einer mit einer Gitarre und endlich
der mit der Klarinette. Das Publikum klatscht.
Dann spielt der Geiger den ersten langen Ton, der
klingt, als ob irgendwo eine Katze lachen würde. Der Klarinettist bläst
dagegen an und klingt wie ein Zug. Eine Katze fährt mit einem Zug durch die
Landschaft denkt Lea und vergisst völlig, dass sie ja eigentlich in die
Zitrone hatte beißen wollen. Das nächste Stück klingt so, als ob zwei Vögel
durch eine Wolke tanzen. Die Musik wird immer schneller und schöner und Lea
ist richtig enttäuscht, als das Konzert zu Ende ist. Erst am nächsten Morgen
erinnert sie sich an die Zitrone in ihrer Rocktasche. Sie bringt sie
heimlich in die Küche zurück, wo sie sie am Vortag geholt hatte. Nächstes
Mal, denkt sie, nehm ich Anna mit. Diese Musik ist viel besser als Kuchen!!!

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