
15 Lea-Geschichten
von
Ramona Ambs Zurück |
Lea auf dem Baum
Wer wie Lea eine große Familie hat, der freut sich auf das alljährlich
stattfindende Familientreffen bei Tante Rivka. Diesen Sonntag steht das
Familientreffen an. Lea hat ihren kleinen Koffer gepackt und ist mit den
Eltern im Zug nach Emmendingen gefahren, wo Tante Rivka wohnt und wo an
diesem Sonntag mindestens die halbe Familie zusammentrifft.
Oma und Opa, Tante Ruchel und Onkel Micha mit Jullius,
Gad und Chanah, dann noch Tante Liat und deren Cousine Nurit, die vor kurzem
geheiratet hat und schließlich noch Rafi, den Lieblingsneffen von Tante
Rivka, den sie immer noch "mein Kleiner" nennt, obwohl er schon zwanzig
Jahre alt ist und ganz arg groß und dick! Lea freut sich sehr. Endlich
angekommen, wird man von allen Seiten geküßt und geherzt. Lea spielt mit
Julius, Gad und Chanah verstecken, bis sie zum essen gerufen werden. Oooh,
wie das schmeckt! - Leider folgt auf das Essen jedes Mal das Videogucken und
leider ist es immer das gleiche Video. Nämlich das Bar-Mizwa-Video von Rafi,
das Tante Rivka immer wieder mit allen anschauen möchte, weil sie es selber
gedreht hat und weil Rafi doch "zu goldig" aussieht, wie sie immer wieder
ausruft. Lea kennt das Video schon in und auswendig und schleicht sich
deshalb heimlich davon in den Garten und auf den Feldweg hinter dem Haus.
Die Sonne scheint und es weht ein leichter Wind, es ist
also Leas Lieblingswetter! Sie beginnt den Feldweg entlang zu hüpfen und
laut zu singen. Die haben gar nicht gemerkt, dass sie sich verdrückt hat.
Ganz schnell ist sie weggehuscht! An einem großen Ahornbaum bleibt sie
stehen. Da müsste man hochklettern können. Und dann entdeckt sie einen tief
liegenden Ast. Sie streckt sich und hüpft und schließlich hängt sie daran
und kann sich hinauf ziehen. Von nun an geht es ganz einfach. Ein Ast ist
über dem nächsten. Irgendwann ist sie ganz oben. Wie wunderschön die
Aussicht ist! Sie sieht in der Ferne einen Fluß in der Sonne glitzern und
Berge in einen tiefen Blau dahinter. Auf der anderen Seite sieht sie die
Häuser von Emmendingen und am nächsten das Haus von Tante Rivka. Ob das
Video wohl schon zu Ende ist? Vielleicht sind die schon beim Kuchen essen?
Sie klettert wieder hinunter. Zuerst geht es ganz
leicht, doch dann sitzt sie auf dem zweituntersten Ast fest. Wie war sie
vorhin denn hier hoch gekommen? Egal was sie auch versucht, sie sitzt fest.
Lea hat Angst. Was wenn sie nun keiner findet und die anderen sie vergessen
haben. Dann müßte sie hier verhungern? Sie umklammert den Stamm und schließt
die Augen. "Hallo Lea!" tönt plötzlich unerwartet von unten die Stimme vom
Opa, "kommst Du nicht mehr vom Baum?" Lea umklammert immer noch den Ast. Sie
ist so froh, dass der Opa jetzt da ist. "Pass auf, ich helf Dir. Du musst
Dich jetzt einfach mit dem Bauch auf den Ast legen.." Lea legt sich auf den
Bauch und hält sich fest. "Und nun rutsch mir einfach mit den Füßen
entgegen, und wenn ich LOS sage, kannst Du loslassen. Ich fang Dich auf!"
Lea tut wie ihr geheißen und läßt auf Kommando den Ast los und fällt -hopp-
direkt in Opas Arme.
"Danke, Danke Danke!" ruft sie und drückt den Opa ganz
fest. Und der Opa nimmt sie bei der Hand: "Komm, es gibt jetzt Kuchen. Alle
warten auf Dich!" Und dann gehen sie zusammen zurück!

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