"Der RaMaK" (1522-1570)
Rabbi Mosche CordeveroDer 23. Tamus ist
Jahrzeit des RaMaK und Jahrtag der Erklärung des ARI
Einer der größten Kabbalisten war Rabbi Mosche
Cordovero. Er wurde 1522 in Safed
geboren. Diese Stadt wurde bald danach als Zentrum der Kabbala berühmt.
Bereits in jungen Jahren wurde er als
„außergewöhnliches Genie“ gerühmt. Neben seinen Kenntnissen auf dem Feld
der Kabbala war er ein talmudischer Gelehrter und Philosoph höchsten
Grades, und allgemein anerkannt auf diesen Gebieten. Er war ebenfalls
einer der vier, welche 1538 eine besondere Smicha von
Rabbi Jaakow
Beirav
erhielten, zusammen mit den Rabbinern Josef Karo (Cordoveros Lehrer in
jüdischem Recht), Mosche von Trani und Josef Sagis. Alle anderen waren
viel älter und bekannter als das junge Wunderkind.
Aber Rabbi Mosches Hauptinteresse lag auf der Systematisierung der
Kabbala, die Errichtung einer philosophischen Struktur. Er war in diesen
Bemühungen so anerkannt, dass für ihn als erster Kabbalist ein Akronym
geschaffen wurde – der „RaMaK.“
1542, im Alter von 20 Jahren, hörte der Ramak eine himmlische Stimme,
welche ihn dazu drängte Kabbala, mit Rabbi Schlomo Alkabetz (dem Autor
des Lecha-Dodi-Gebetes, welches gesungen wird um den Schabbat willkommen
zu heißen), zu lernen. Folglich wurde er in die Mysterien des
Sohars eingeführt, den Lehren des
Kabbalisten und Gelehrten der Mischna, Rabbi Schimon bar Jochai. Der
junge „Ramak“ beherrschte den Text vollständig. Doch dies befriedigte
ihn nicht, da er eine klar erkennbare Struktur vermisste. Um sie für
sich zu klären, begann er zwei Bücher zu schreiben. Das erste war Or
Jakar, ein umfangreicher Kommentar des Sohar. Das zweite,
Pardes Rimonim, fertig gestellt im Jahre
1548, sicherte seinen unvergänglichen Ruhm. Der Pardes, wie es auch
genannt wird, war eine Systematisierung aller Kabbalistik, bis zu dieser
Zeit. Besonders wichtig war, dass der Autor in ihm viele Schulen mit den
Lehren des Sohars versöhnte, die grundlegende Einheit und philosophische
Basis der Kabbala darstellend.
Zwei
andere Bücher, für welche der Ramak bekannt ist, sind:
Tomer
Dewora („Der Palmenzweig von Debora“), in welchem er die
kabbalistischen Konzepte der Sephirot („G-ttlichen Attribute“) nutzt, um
ein System der Moral und Ethik zu erläutern, und Or Ne’eraw, einer
Rechtfertigung und Betonung der Wichtigkeit des Kabbalah-Studiums
samt einer Einführung in die entsprechenden Methoden.
Um das Jahr 1550 herum gründete der Ramak eine Kabbala-Akademie in Safed,
welche er für etwa 20 Jahre, bis zu seinem Tod, leitete. Es wird
berichtet, dass der Prophet Elija sich ihm offenbarte. Unter seinen
Anhängern waren viele bedeutende Mystiker aus Safed, einschließlich
Rabbi Elijahu di Vidas, Autor von Reschit Chochma, und Rabbi Chaim
Vital, der später zum offiziellen Berichterstatter und Verbreiter der
Lehren des „Heiligen Ari“, des Rabbi Isaak Luria, wurde.
Diese Gruppe der Mystiker hielt an den Methoden des Autors des Sohar
fest und versuchten die Erlösung zu bringen. Sie verbrachten viele
Stunden meditierend und betend in den Feldern, wie sie auch die nahen
Gräber der verschiedenen Gelehrten der Mischna besuchten. Als der „Ari“
in Safed ankam, schloss er sich, in größter Bescheidenheit, dieser
Gruppe von Kabbalisten an. Er hoffte, er könne seine Größe verbergen,
doch der Ramak erkannte wer er war.
Vor seinem Tod, im Jahre 1570, sagte der Ramak: „Ich werde bald diese
Erde verlassen. Nach meinem Ableben wird mich jemand ersetzen. Und auch
wenn viele der Äußerungen dieser Person scheinbar den meinigen
widersprechen werden, stellt euch nicht gegen ihn und widersprecht ihm
nicht, denn sie gehen auf die gleiche Quelle zurück wie die meinen und
sind absolut wahr. Seine Seele ist ein Funken von Schimon bar Jochai und
jeder der sich gegen ihn stellt, stellt sich gegen die Schechina.“
„Was ist sein Name?“ fragten seine Anhänger.
„Ich kann es euch nicht sagen. Zu diesem Zeitpunkt möchte er nicht, dass
seine Identität bekannt wird. Dies obwohl ich sagen kann: Derjenige, der
die Wolke sieht, welche über meinem Begräbnis vorangehen wird, wird mein
Nachfolger sein.“
Wenige Wochen später, am
23. Tag des Monats
Tammus, verstarb Rabbi Mosche Cordovero.
Die Gemeinde trauerte fassungslos über den großen Verlust. Auf seinem
Begräbnis, welches von allen Juden Safeds besucht wurde, wurden viele
Lobreden gehalten. Unter den Lobrednern war auch der Ari, der den Ramak
als vollkommen frei von Sünde beschrieb.
Alle die den Ramak auf seiner letzten irdischen Reise begleiteten
weinten bitterlich. Als die Träger seines heiligen Körpers den Friedhof
erreichten, setzten sie ihren Weg eine lange Zeit fort, bis sie eine
bestimmte Stelle erreichten. Dann wandten sie sich zu der folgenden
Menschenmenge und sagten: „Wir werden ihn hier begraben, neben einem der
größten Gelehrten Israels.“
Der Ari hielt sie zurück und rief: „Begrabt ihn nicht hier. Die Wolke,
die ihm voranging, hat ihren Weg fortgesetzt. Sicherlich zeigt sie an,
wo es den Ramak verlangt begraben zu werden.“ Indem sie diese Worte
hörten, wussten sie um die Identität ihres neuen Lehrers. An diesem Tag
begann sich der Ruhm des Ari zu verbreiten und hunderte von großen
Gelehrten begannen sich um ihn zu versammeln.
Der Ari lebte nur zwei Jahre länger und wurde im Alter von 38 Jahren
durch eine Seuche, die die Stadt Safed 1572 heimsuchte, aus dieser Welt
gerissen. Aber in dieser kurzen Zeit revolutionierte er das Studium der
Kabbala. Er war der Erste, der das Konzept des Zimzum (das
„Zusammenziehen“ des G-ttlichen unbegrenzten Lichtes, um „Platz“ für die
Schöpfung zu schaffen) und viele andere kabbalistische Konzepte
erklärte. Wie durch den Ramak vorhergesehen, schienen viele der Lehren
des Aris denen seines Vorgängers zu widersprechen, schließlich erkannten
aber alle, dass die Sichten der beiden wirklich übereinstimmten.
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